Liebe alle, みなさん,
ich hoffe ihr seid alle gut ins neue Jahr reingerutscht und hattet einen guten Start. Für mich war es ein sehr ruhiger Start. Mein Freund Ján und ich waren ja in Nikko gewesen. Dort gibt es außer Natur und Tempel nicht viel. Das war aber auch unser Ziel gewesen. Kurz vor Mitternacht sind Ján und ich mit unser Gastgeberin und ein paar anderen aus der Unterkunft zum nächstgelegenen Tempel gegangen. Dort wurde um 00:00 Uhr eine Glocke geläutet und alle reiten sich auf, um nacheinander kurz zu beten. Danach konnte man, wenn man wollte, an einem kleinen Gewinnspiel teilnehmen, bei dem man auf jeden Fall etwas gewinnt. Dafür bezahlt man einen Obolus und zieht ein Los. Für dieses kriegt man dann etwas geschenkt. Ján erhielt Sake und ich habe quasi den Trostpreis bekommen: Eine Art Mini-Reiseführer über Nikko. In Japanisch… Naja, aber ich war trotzdem sehr glücklich mit meinem Los, denn auf diesem wurde einem gleichzeitig die Zukunft vorhergesagt. Wenn ich mich richtig erinnere hat Ján folgendes für mich übersetzt: Grade ist es Winter und es geht mir nicht so gut, aber wie auch der Frühling alles zum blühen bringt, wird auch bei mir alles besser werden. Das war das beste was mir hätte vorhergesagt werden können.




Mir war so kalt… 

Blick aus unserem Fenster 


Waren ein paar Leute da… 

Nachdem alle aus der Unterkunft ihre Lose hatten sind wir wieder zurück ins Hostel. Dort sind wir eigentlich auch gleich schlafen gegangen. Somit nichts Spektakuläres – also genau nach meinem Geschmack. Am 01.01. waren wir dann eingeladen mit einem Freund unserer Gastgeberin und ihrer Mutter und ihrem Bruder Hotpot/Nabe (Brühe und verschiedenes Gemüse) zu essen. Das war richtig richtig schön und hat viel Spaß gemacht. Am Ende hatten wir so viel Essen übrig, dass wir am nächsten Tag einfach gleich nochmal Nabe gemacht haben. Diesmal dann leider ohne Mutter. Dafür hat der Bruder unserer Gastgeberin aber sein Shamisen (traditionelle japanische Laute) mitgebracht und für uns gespielt. Wir durften es sogar auch einmal probieren! Danach haben noch Karten gespielt, was auch großen Spaß gemacht hat. Das war dann aber leider schon unser letzter Abend dort und wir mussten uns von allen verabschieden, was ein bisschen traurig war. Alle waren so nett zu uns gewesen. Besonders der Freund der Gastgeberin, Yuuki, hat mit uns viel gemacht. Wir waren zum Beispiel mit ihm Sushi essen und er hat uns in die nächste Stadt (eher ein Dorf) gefahren. Dort sind wir zusammen ins Onsen gegangen. Onsen sind die traditionellen japanischen Thermalbäder, die in ihrer Ursprungsform einfach eine heiße Quelle sind. Das war auch in dem Onsen so wo wir waren. Es hat ein bisschen nach Schwefel gerochen, aber dafür gab es ein Außenbad. Während man also in dem heißen Wasser sitzt, hatte man einen schönen Ausblick und es hat sogar ein bisschen geschneit.

Nabe und Yuuki-san 
Shamisen 


Yuuki-san und Ján 

Gruppenfoto noch einem gelungenem Nabe-Essen 
Beim Kartenspielen
Das war das erste Mal, dass ich in ein Onsen gegangen bin. Wer mich kennt, der weiß, dass ich total verklemmt bin. Daher habe ich habe ich es bis dato vermieden in ein Onsen zu gehen, da man dort natürlich nackt ist. Übrigens gibt es eine bestimmte Vorgehensweise wie man in ein Onsen geht: Zuerst einmal gibt es getrennte Bereiche für Männer und Frauen. Das heißt ich war zwar mit Ján und Yuuki im Bad, aber trotzdem alleine (was mir jetzt nicht unrecht war). Theoretisch hätten wir aber reden können, da uns draußen nur eine kleine Wand getrennt hat. Das erste was man im Onsen dann macht ist sich zu entkleiden. Für die Sachen gibt es mehrere Aufbewahrungsboxen und auch Schließfächer. Dann geht man, meist mit einem kleinem Handtuch bewaffnet, in den nächsten Raum. Dort wartet schon das Bad auf einen, aber man darf auf keinen Fall schon reingehen! Zunächst muss man sich nämlich erst gründlich Waschen. Dazu gibt es mehrere kleine Hocker und Duschen. Dort wäscht man sich mit Shampoo von Kopf bis Fuß, bis man so sauber ist, dass man ins Bad gehen kann, ohne es zu verunreinigen. Dort verbringt man dann so ein paar Minuten. Manche Onsen, wie zum Beispiel das gegenüber von meinem Wohnheim, bieten dabei sogar verschiedene Bäder an. Da kann man also verschiedene Sachen ausprobieren. Wenn man fertig ist, duscht man sich meist nochmal ab und wäscht sich die Haare. Manchmal gibt es noch einen Ruheraum, indem man dann vor sich hindösen kann, bis man sich wieder anzieht und seinen Weg geht.







Nach dem Onsen 
Für die Japaner haben Onsen einen hohen Stellenwert. Als wir im Deutschunterricht zum Beispiel das Thema ‚Ratschläge und Tipps bei Krankheiten‘ hatten, wurde mir bei meinen imaginären Krankheiten meist von den Studierenden empfohlen ins Onsen zu gehen. Vielleicht sollte ich das jetzt mal machen, denn seit Nikko bin ich immer wieder mal ein bisschen krank. Gestern musste ich vorzeitig die Bibliothek verlassen, da mir die Taschentücher ausgegangen sind. Ich habe die starke Vermutung, dass ich nicht richtig gesund werde, weil es überall kalt ist. Kein Mensch heizt wirklich in diesem Land (es gibt auch keine Heizungen, sondern nur Klimaanalagen) und selbst im Unicafé sitzt man in Jacke da. Seit Tagen kaufe ich alles mögliche Zeug was angeblich viel Vitamin C beinhalten soll. Eigentlich müsste ich jetzt schon einen Vitamin-C-Überschuss haben. Es hilft vermutlich auch gar nicht, aber zumindest bin ich noch nicht so krank geworden, dass ich mein Zimmer nicht mehr verlassen kann. Ich muss aber nur noch bis morgen aushalten, danach kann ich entspannen.
Ich befinde mich nämlich derzeit in den letzten Atemzügen dieses Semesters. Am Montag habe ich meine letzten Prüfungen und auch meinen letzten Unitag für dieses Wintersemester. Ja, ihr habt richtig gehört, das Semester ist jetzt schon vorbei. Das ist zwar fast vier Wochen früher als an der HU, aber wir haben hier in Japan zumindest auch ungefähr drei Wochen eher angefangen. Einerseits freue ich mich drauf endlich Ferien zu haben. Andererseits macht es mir aber auch ein bisschen Angst: Werde ich es wirklich schaffen mehrmals pro Woche Japanisch zu üben, so dass ich nicht alles vergesse? Außerdem tendiere ich dazu, wenn ich zu wenig zu tun habe, eher melancholisch zu werden. Bisher habe ich nur folgende Pläne: Mit Isaac ein paar Tage wegfahren, meine Eltern kommen für zwölf Tage nach Japan, eine Hausarbeit schreiben (für die ich immer noch kein Thema habe) und ab und an ein bisschen arbeiten. Das ist nicht so viel. Ich hoffe ich finde genug Sachen, um mich zu beschäftigen. Gerne würde ich noch ein bisschen mehr reisen, aber da ich nun kein Stipendium habe, muss ich auch ein bisschen nach dem Geld gucken. Aber wir werden sehen wie sich alles entwickelt.
Das der Unterricht morgen endet, bedeutet auch, dass wir schon die ersten Abschiede von unseren Lehrern hinter uns haben. Das ist immer traurig. Ziemlich wahrscheinlich, bzw. bei manchen auch sicher, werde ich sie auch nicht nächstes Semester wiederhaben. Das finde ich echt schade, weil sie waren alle super nett und wenn Isaac und die anderen von ihren Lehrern erzählen, will ich lieber meine behalten. Nicht, dass sie schlecht reden, sie mögen sie größtenteils auch, aber manchmal klingen die Methoden die sie benutzen ein bisschen merkwürdig…

Gespannt auf die neuen Lehrer kann man aber auf jeden Fall sein. Aber erstmal werde ich mich noch von den letzten beiden verabschieden. Die letzten Stunden haben es sich übrigens nochmal in sich. Eine Sprechprüfung über alle Lektionen hinweg (Hilfe!) und dann müssen wir noch eine „Rede“ frei halten, erläutern was unser japanisches Lieblingswort/-satz ist und wieso und erklären warum wir das Geschenk, was wir einem bestimmten Klassenkameraden machen müssen, ausgewählt haben. Natürlich alles auf Japanisch. Oh man, das kann was werden…
Wünscht mir Glück! Ich werde jetzt nochmal ein bisschen lernen gehen.
Viele Grüße,
Jule
Liebe jule..Dein bericht war wieder sehr interessant, über Japan zu erfahren.ich wünsche dir viel prüfungsglück und eine schöne zeit mit deinen eltern.auch sie werden sich freuen, ihre Tochter im arm zu halten. Ich , als 2 fache mama, kann mich da reinversetzen.ich wünsche dir alles gute, komme gut durch den winter, halte dich warm..Alles gute, Gruß bärbel, vorleserin bibliothek basdorf
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