Ihr Lieben,
endlich ist diese Woche vorbei! Die ganze Zeit hieß es mal wieder nur lernen, lernen, lernen. Diesmal aber mehr als sonst, denn die Zwischenprüfungen standen an. Das bedeutet genau: Einen schriftlichen Test zur Grammatik, einen zum generellen Schreiben von Texten und einen mündlichen Test. Außerdem mussten wir heute noch einen klitzekleinen Vortrag über unsere Familie halten. Nächste Woche dann gibt es noch einen Test zum Hörverstehen (mal wieder). Danach sollte es aber wieder in den normalen Betriebsablauf übergehen hoffe ich. Soweit sind die Tests ganz gut verlaufen, denke ich. Die Ergebnisse werden wir vermutlich nächsten Mittwoch erhalten.

Lernen with a view 
Der beste Platz in der ganze Bibliohek
Froh, dass die Tests hauptsächlich endlich vorbei sind, habe ich mit Isaac ein bisschen „gefeiert“ indem wir nach Kawaramachi gefahren sind. Kawaramachi ist das Shopping-/Touri-/Ausgehviertel Kyōtos. Ursprünglich sind wir nur dorthin gefahren, weil ich ein paar Besorgungen dort machen musste, aber irgendwie sind wir dann schließlich mit einem Mischbier (meins hatte Kiwi-Geschmack) am Fluss gleich nebenan gelandet und haben über Gott und die Welt geredet. Bei ungefähr 10° Celsius oder auch weniger saßen wir dort etwa eine Stunde bis wir beide auf die Toilette mussten und dann Nachhause wollten. Außerdem waren wir etwas durchgefroren. Es wird eben kälter in Kyōto. Das merkt man vor allem auch daran, dass jede zweite Toilette, auf die man sich setzt, nun eine beheizte Klobrille hat. Im ersten Moment erzeugt das immer ein „Ewww“-Gefühl, aber dann folgt das „Hmmm…☺“.

Kawaramachi 

Zurück Nachhause nahmen wir den Bus. Als wir die Bushaltestelle gefunden haben – komischerweise zeigt Google Maps hier nicht den genauen Ort dieser an – haben wir uns mit in die Schlange gestellt, die sich dort befand. Ordnungsgemäß wie die Japaner eben sind, stellen sie sich nämlich immer schön der Reihe nach auf, um auf den Bus zu warten. Ich muss das nächste Mal ein Foto von diesem Szenario an unserer Uni machen. Ich finde es sehr belustigend und würde es gerne mit euch teilen.
Als unser Bus kam waren wir wieder tief in ein Gespräch vertieft. Da wir ja schon in der Schlange standen, hatten wir irgendwie die Erwartung, dass wir nichts weitermachen mussten als der Menge folgen. Diese bewegte sich aber kaum, was wir aber erst (vertieft in unser Gespräch) bemerkten als unser Bus wieder abfuhr. Noch zuvor haben wir uns über ein paar Chinesen lustig gemacht, die sich einfach so vordrängelten. Aber anscheinend muss man das hier machen, da ja nicht alle mit demselben Bus fahren wollen. Dies wiederum lässt mich hinterfragen warum man sich dann überhaupt erst in einer Schlange aufstellt, wenn man dann doch nicht in dieser Reihenfolge einsteigt? Vermutlich, weil es dennoch geordneter als gar nicht geordnet ist. Manchmal versteh ich aber dieses Land einfach nicht – in einem positiven Sinne (falls das geht), denn ich freue mich größtenteils über die Dinge, die ich nicht verstehe.
Ein anderes Beispiel ist, dass wir eine Straße bei unserer Uni überqueren wollten. Da viele zu dieser Uhrzeit Unterrichtsschluss haben, stehen an jeder Ecke die freundlichen Männer mit Laserschwertern, die ich ja schon mal erwähnt habe. Auch diesmal war es so und sage und schreibe drei (!) solcher Männer halfen uns dabei die Straße zu überqueren. Das ist ja auch total nett von ihnen, jedoch gab es an dieser Stelle auch eine Ampel und meine Gehirnzellen reichen noch dazu aus zu verstehen, dass ich bei Grün über die Straße gehen darf. Aber nur für den Fall, dass ich es vergesse, gibt es eben diese Männer, die todesmutig bei Grün als erste auf die Straße springen, mit ihren Laserschwertern winken und uns mit lauten Rufen zu verstehen geben, dass wir jetzt laufen können.
Aber genug davon – ich wollte auch noch von unserem Campus-Festival erzählen: Dieses fand letzten Sonntag statt und hatte sehr viel zu bieten. Zunächst waren wir etwas überfordert, denn die Sekunde, in der wir unseren Fuß auf das Campusgelände setzten wurden wir von allen Seiten nahezu angeschrien. Nicht weil wir etwas falsch gemacht hatten, sondern weil alle uns dazu bewegen wollten an ihrem Stand etwas zu essen zu kaufen. Jeder Club an der Uni hatte mindestens einen Stand. Alle verkauften Essen, um etwas Geld für die Gruppe zu sammeln. Manche Clubs hatten zudem noch Auftritte. Für diese Auftritte wurden mehrere Bühnen errichtet. Die Größte war sogar mit einem Spezialeffekten ausgestattet: Feuer. Das kam erstaunlicherweise zum Einsatz als der Kalligrafie-Club seine Show darbot… Ich muss sagen, ich wusste nicht, dass man mit Kalligrafie überhaupt einen Auftritt auf einer Bühne haben kann und noch dazu einen so dynamischen! Halb zu schneller Popmusik tanzend, schrieben sie da also voller Elan und teilweise fast schon aggressiv etwas auf große Leinwände und zwischendurch wurde ab und an Feuer vom Dach der Bühne in die Luft geschossen. Leider kann ich keine Videos auf WordPress hochladen, ohne etwas zu bezahlen. Das Feuer habe ich aber leider eh nicht erwischt. Nehmt einfach meine Worte und malt euch ein Bild im Kopf, so wie die Studierenden die japanischen Zeichen auf die Leinwand. 😉
Ansonsten gab es noch mehrere Bands und Sänger und auch einige Tanzshows. Eine davon, eine Hula-Tanzshow (Hula ist ein hawaiianischer Tanz), schauten sich viele Leute aus dem Wohnheim an. Eine der Japanerinnen aus dem Wohnheim, die uns bei Problemen helfen soll, ist nämlich teil vom Hula-Club. Ausnahmslos alle Tänzerinnen dieses Clubs sahen absolut tiefenentspannt und oberglücklich aus. Das ist sicherlich Teil des Hula, aber man hat ihn auch 100% abgenommen, dass sie sich wirklich so fühlten.
Schließlich gab es noch kleine Gimmicks wie ein Stand mit Maids, eine kleine Tour durch ein Horrorhaus und ein Boxring. Ersteres sind Männer verkleidet als Dienstmädchen (ich weiß nicht was ich dazu sagen soll, außer: Japan ist eines der verrücktesten Länder der Welt). Letzteres war nicht wirklich der Austragungsort von Boxkämpfen, sondern von Showeinlagen der etwas anderen Art: Es waren schon zwei Männer in Boxshorts involviert. Allerdings schauspielerten sie nur, dass sie kämpften. Aber auf sehr merkwürdige Art und Weise. Ein Akt beinhaltete, dass die beiden Männer beide eine Strumpfhose über den Kopf trugen und diese an den Enden miteinander verknotet wurden… Noch einmal: Japan ist eines der verrücktesten Länder der Welt. Ebenfalls noch einmal: Schade, dass ich hier keine Videos hochladen kann. Vielleicht sollte ich langsam mal in WordPress investieren.
Nach diesem Ereignis sind wir aber dann doch noch vor Ende des Festes Nachhause gegangen. Denn einerseits ging die Sonne langsam unter und es wurde echt kalt und andererseits wartete eine Menge Arbeit auf uns.
Auch dieses Wochenende wartet sie auf mich – und zwar muss ich Aufgaben von meinem Job machen, die ich die ganze Woche aufgeschoben habe, weil ich lernen musste. Dafür werde ich morgen nochmal in die Bibliothek setzen. Am Sonntag würde ich dann aber gerne ein bisschen Sightseeing machen. Also hoffe ich mal, dass ich alles größtenteils fertigbekomme.
Wie vielleicht schon mal angekündigt, werde ich weiterhin etwas unregelmäßiger Beiträge veröffentlichen. So mega viel Spannendes passiert nämlich meistens gar nicht und ich habe auch relativ viel zu tun und komme kaum dazu einen Blogeintrag zu verfassen. Das kostet nämlich meist mindestens zwei Stunden (ich bin ein sehr langsamer Mensch). Also vergebt mir, wenn ich mal nichts poste! Das wird zum Beispiel nächstes Wochenende der Fall sein. Dafür kann ich dann vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt Spannenderes berichten als „ich war zu 80% in der Uni“.
Seid somit lieb gegrüßt! Bis zum nächsten Mal,
Jule
P. S.: Noch ein paar Fotos zum Abschluss, die es nicht in den laufenden Text geschafft haben:


Fragt mich nicht… 


Mein erster Regenbogen in Japan! 6/8 der Leute im Raum waren ein bisschen zu erfreut darüber und wir mussten den Unterricht unterbrechen, um Fotos zu machen. 

Mit meinen Freunden Isaac, Meradith und dem Maskottchen des Campus-Festes










