Liebe alle,
wie versprochen werde ich diese Woche über mein Wochenende in Tokio berichten: Was für ein Erlebnis! Es wird ganz sicher nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich da war. Ich glaubte, ich reise ohne Erwartungen an. Als ich aber dort war, merkte ich, dass ich doch welche hatte: Ich dachte, dass Tokio eine total überfüllte Stadt ist und man aufgrund der Größe ewig braucht, um von A nach B zu kommen. Außerdem erwartete ich wenig grün zu sehen. All das war jedoch (eher) nicht der Fall. Die Menschenmassen hielten sich größtenteils in Grenzen und wir mussten auch nicht von netten Herren mit Handschuhen in die Bahn geschoben werden, wie man es ja aus so manch einem Video von Tokio kennt. Dazu muss man allerdings auch sagen, dass wir ja nur am Wochenende da waren und nicht in der Woche während der Rushhour den Zug nehmen wollten. Die Japaner, die wir getroffen haben, erzählten uns, dass sie die berühmt-berüchtigten vollen Züge schon mehrmals eigenhändig erlebt haben. Wie eine Sardine in der Büchse steht man dann da zwischen all den Menschen. Einerseits bin ich froh das nicht erlebt zu haben, andererseits wäre es auch mal sehr spannend gewesen.

Auf Grund des gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehrs brauchte es auch nicht lange, um zu den verschiedenen Sehenswürdigkeiten zu gelangen. Aber auch hier muss wiedergesagt werden, dass wir uns nur im Zentrum bewegten. Wie es für realistische Wege zur Arbeit usw. aussieht kann ich natürlich nicht sagen.

Tokyo Station 
Shibuya Crossing 
Hachiko Figur 
Shibuya 
Shibuya Crossing 



Meiji Schrein 
Wir haben viele Hochzeiten gesehen 
Komorebi
Was haben wir also gemacht? Natürlich hauptsächlich Sightseeing und Essen gehen. An Hauptattraktionen besuchten wir den Shibuya Crossing (die Kreuzung, über die die meisten Menschen laufen; ist viel kleiner als ich gedacht hatte), Meiji-Schrein, Asukusa-Schrein und Tokyo Tower. Letzteres ist Tokyos berühmter Fernsehturm. Ich erinnere mich noch daran, wie ich in einem Vortrag, in ungefähr der neunten der zehnten Klasse, meinen Zuhörern erzählte, dass der Tokyo Tower dem Eiffelturm nachempfunden ist. Das ist auch deutlich erkennbar. Allerdings hatte man in Tokio mehr Mut zur Farbe und so ragt er leuchtend rot und weiß zwischen den Gebäuden hervor. Wir haben uns ein Ticket geholt, mit dem wir zur höchsten Aussichtsplattform im Turm bei Sonnenuntergang gelangen konnten. Dadurch konnten wir Tokio von oben bei Tag und bei Nacht bewundern. Außerdem war der Fuji-san, Japans berühmtester Berg, in der untergehenden Sonne gut erkennbar. Unglaublich! Mit dem Wetter hatten wir generell unglaubliches Glück. Den Fuji-san sieht man nämlich nur bei klarem Wetter.

Asakusa 
Asakusa Schrein 
Asakusa 
Skytree – der höchste Turm in Tokyo und zweithöchstes Gebäude der Welt 
Tokyo Tower

Im Hintergrund: Der Fuji-san in der untergehenden Sonne 





Fuji-san 
Ansonsten sind wir größtenteils einfach ziellos durch die Stadt gelaufen. Ab und an sind wir dann in ein Restaurant eingekehrt. Zum Beispiel in ein sehr enges Soba-Restaurant. Soba sind Nudeln aus Buchweizen, die man entweder warm oder kalt essen kann. Wir alle wissen ja, dass die Japaner i. d. R. sehr effizient sind. Auch hier, in diesem super kleinen Restaurant im Zentrum Tokios enttäuschten sie nicht. Man bestellt und bezahlt sein Essen über eine kleine Maschine am Eingang des Raumes und erhält von dieser einen kleinen Zettel. Mit diesem geht man in Richtung Küche, die dann das Gericht zubereitet. Die Nummer auf dem Zettel wird ausgerufen, sobald das Essen fertig ist. Ich würde behaupten durch dieses System erspart man Schlangen auf engem Raum, da es mehrere solcher Maschinen gibt, an denen man bestellen kann. Es muss sich auch bewährt haben, denn es ist, soweit ich weiß, in Japan nicht untypisch.

Bestellmaschinen 
Restaurant
Wo wir schon über Effizienz reden: Um den Weg zwischen Tokio und Kyōto zu überbrücken, haben mein Freund Isaac und ich den ebenfalls berühmten Shinkansen genommen – den Hochgeschwindigkeitszug in Japan. Er ist sehr schnell, so dass man innerhalb von zweieinhalb Stunden von Kyōto nach Tokio gelangen kann. Allerdings ist es auch sehr teuer. Wir haben über für Hin- und Rückfahrt über 200€ bezahlt. Wir sind aber auch immer noch ein bisschen verwirrt von den Tickets: Als wir nämlich unser Ticket benutzen wollten, um auf das Gleis zu kommen, lies uns die Maschine nicht durch. Nach mehreren Versuchen teilte man uns mit, dass wir noch ein zweites Ticket braucht (immer). Wenn ich es richtig verstanden habe, dann ist ein Ticket dafür, dass man einen Platz im Zug hat (auch wenn man nicht reserviert) und ein Ticket dafür, dass man mit den Shinkansen fahren darf. Ganz sicher bin ich mir jedoch nicht und auch immer noch verwirrt. Wahrscheinlich hätten wir ohne Platzreservierung also weniger bezahlen müssen, aber vielleicht auch keinen Platz bekommen? Ich weiß es nicht genau, aber am Ende war alles auch okay so. Zumindest mussten wir uns keine Sorgen machen.

Der Shinkansen war abgesehen von seiner Schnelligkeit und viel Beinfreiheit aber nicht weiter besonders. Einer japanischen Tradition folgend kauften wir uns vor Abfahrt im Bahnhof ein Ekiben (also ein Bahnhofs-Bento – eine japanische Lunchbox) und genossen dieses während der Fahrt, quatschen ein bisschen und bereiteten uns mental auf Tokio vor.
Dieses Wochenende bin ich etwas erkältet. Deswegen und weil ich für die Zwischenprüfungen lernen musste, bin ich heute Zuhause im Wohnheim geblieben. Morgen findet ein großes Unifestival statt, auf dem u. a. die ganzen Clubs Stände und Auftritte haben. Ich bin schon gespannt und hoffe, dass morgen der Schnupfen und das Frieren weg sind. Ich kann ja dann beim nächsten Mal von dem Erlebnis berichten.
Bleibt bis dahin – im Gegensatz zu mir – gesund! Liebe Grüße,
Jule


