Liebe alle,
zuerst einmal möchte ich mich dafür entschuldigen, letzte Woche nichts gepostet zu haben. Einerseits ist nicht sehr viel passiert und andererseits muss ich momentan so viel machen (bin zurzeit von morgens um 10:30 Uhr bis mindestens abends 19:30 Uhr auf dem Campus), dass ich etwas ausgelastet bin. Auch jetzt gerade bin ich etwas übermüdet, möchte euch aber von den (wenigen) Geschehnissen der letzten Woche berichten:
Am letzten Samstag fand eins der größten Festivals in Kyōto statt: Jidai-Matsuri. Beim Jidai-Matsuri gibt es eine sehr lange Parade, bei der deren Teilnehmer verschieden gekleidet sind. Nämlich entsprechend verschiedener Jahre in der Kyōto Japans Hauptstadt war. Somit kann die modische Entwicklung quasi live mitverfolgen. Zwischendrin gab es dann noch kleine Showeinlagen wie eine Marschkapelle und der Tausch von verschiedenen vermutlich sehr schweren Dingen, wie zum Beispiel Flaggen. Jede Person, die irgendwas tragen musste, hatte in der Regel eine zweite Person an der Seite, mit der sie sich abtauschen konnte. Noch dazu gab‘ es relativ viele Pausen. Praktisch!





Pause 
Noch bemerkenswert war es, dass trotz dieser langen Prozession der öffentliche Nahverkehr via Bus nicht eingeschränkt wurde. Zwar wurde die Straße gesperrt, aber eine Seite wurde zumindest für die Busse freigehalten, die weiterhin munter hin und herfuhren. Mal wieder sehr effizient die Japaner. Nach etwa 1 ½ Stunden Zuschauen bin ich mit eben so einen Bus wieder zurück ins Wohnheim gefahren, weil ich noch zu tun hatte. Die Karawane war da jedoch immer noch nicht komplett vorbeigezogen. Ihr könnt euch also vorstellen wie lang sie war…

Diesen Samstag gab es dann ein etwas moderneres Programm für mich. Meine beiden amerikanischen Freunde und ich hatten Tickets für TEDxRitsumeikan – eine kleine TED-Talk-Veranstaltung. TED-Talks sind innovative/inspirierende Vorträge und ziemlich bekannt. Eigentlich ist TED eine Konferenz und steht für Technology, Entertainment, Design. Mittlerweile gibt es aber viele Ableger wie eben TEDxRitsumeikan. Es gab‘ sieben etwa 20-minütige Vorträge – zwei davon waren lediglich Videoaufnahmen, der Rest live. Ich muss sagen, ich habe ein bisschen zu viel erwartet. Ich hätte bedenken sollen, dass dies nur ein Ableger in sehr kleinem Format ist. Das Thema der Veranstaltung war ‚Never Give Up‘ (Gib niemals auf). Die Vorträge waren zwar divers, allerdings weiß ich persönlich nicht wirklich viel damit anzufangen. Es ging u. a. um ein (noch nicht weite umgesetztes, sondern nur überlegtes) Projekt für Sanitäre Grundversorgung für Frauen in Uganda und um kulturelle Verständigung. Klingt beides spannend, allerdings ist ersteres bisher nur eine Idee und für letzteres der Vorschlag zusammen Tee zu trinken. Bei Tee bin ich zwar gerne dabei, allerdings glaube ich nicht, dass das die Lösung aller kulturellen Verständigungsprobleme ist. Bei zwei Leuten hat man auch echt gemerkt wie aufgeregt sie waren (beide sind auch noch Studenten). Ich glaube ich sehe das Ganze mal wieder zu rational und nicht locker genug, aber am Interessantesten war meiner Meinung eigentlich nur die Geschichte der Menschen selbst. Der Tee-Mensch bspw. ist Japaner hat schon 94 Länder bereist, hat Arabisch und die islamische Kultur studiert und guckt angeblich pro Jahr 100 Filme. Nebenher hat er in seinem Leben (ebenfalls angeblich) auch noch 20.000 Bücher gelesen. Ich frag mich wie er das geschafft hat.


Die Vortragenden
Meine einzige Inspiration war nur, dass ich mir auch öfter Vorträge in Berlin angucken sollte. Bis vor drei Sekunden wusste ich nämlich nicht mal, dass wie dieses Format auch an der HU haben…
Das war’s auch schon wieder von mir. Eine kleine Vorwarnung: Nächste Woche bin ich das ganze Wochenende über in Tokyo und werde es somit auch dann wieder nicht schaffen etwas auf meinem Blog zu schreiben. Dafür habe ich dann aber endlich mal wieder mehr zu berichten als „Ich lerne Japanisch, arbeite und mache Programmier-Hausaufgaben“.
Ich hoffe es geht euch allen gut. Liebe Grüße und gute Nacht,
Jule




