Liebe Leute,
langsam schleicht sich der Alltag in mein Japan-Leben. Momentan besteht mein Leben hauptsächlich aus zur Uni gehen, Vokabeln lernen, arbeiten, etwas programmieren üben und mit Freunden Zeit verbringen. Bisher passiert aber dennoch jede Woche noch mindestens eine kleine aufregende Sache. Diese Woche war es, dass ich meine neue Tandempartnerin getroffen habe. Sie heißt Aoi und ist sehr nett. Die Deutschlehrerin hat sie als sehr lustig und im Gegensatz zu anderen japanischen Studierenden sehr offen beschrieben und wir somit ein gutes Paar wären. Die meisten japanischen Studierenden sind wohl so schüchtern, dass sie einem nicht mal in die Augen schauen. Aber Aoi scheint so weit für westliche Standards „normal“ mit einem zu kommunizieren. Sie ist sehr nett und gerade auf dem Deutschsprachlevel A2. Das ist nicht super gut, aber so können wir uns wenigstens unterhalten. Das kann ich schließlich nicht von meinem Japanisch behaupten.
Zu Beginn haben wir erst einmal über Gott und die Welt gesprochen, einige Übungen in Deutsch gemacht und meine japanischen Vokabeln durchgesprochen. Nächste Woche hat sie wohl keine Zeit, deswegen sehen wir uns erst in zwei Wochen wieder. Das nächste Mal wollen wir etwas organisierter an die Sache rangehen: Von den 1 ½ Stunden wollen wir 45 Minuten Deutsch machen und 45 Minuten Japanisch. Nächstes Mal werde ich auch versuchen mich mehr zum Japanisch sprechen zu zwingen. Bis dahin ist aber noch eine Weile Zeit.
Ansonsten sollten wir heute, Samstag, ausnahmsweise auch Uni haben. Der Grund dafür ist, dass der Dienstag ein Feiertag und man natürlich nicht einfach so frei haben kann. Deswegen sollten wir den Unterricht vom Dienstag am Samstag haben. Am Freitagnachmittag bekamen wir jedoch die Nachricht, dass das nun doch nicht stattfindet. Manche Leute aus dem Wohnheim dankten den Taifun-Kami/den Taifun-Gott dafür, denn der Taifun war die Ursache für den Ausfall. „Hagibis“ ist nämlich nicht nur irgendein Taifun, sondern ein Super-Taifun. Uns wurde empfohlen das Haus nicht zu verlassen, was die meisten auch befolgten. Viele, u. a. ich, waren ziemlich gespannt auf das was da kommt, weil wir i. d. R. noch nie so ein Wetterextrem erlebt haben. Hagibis zog jedoch eher an Kyōto vorbei, weswegen man bei uns nur etwas stärkeren Wind und Regen beobachten konnte. Um 17:00 Uhr war alles schon wieder vorbei. Wenn man die Bilder aus anderen Teilen Japans sieht, bin ich aber sehr froh, dass alles bei uns so glimpflich ausgegangen ist. Außerdem wurden wir mit einem extrem surrealen Abendleuchten belohnt: Alles war in gelb-goldenes Licht getaucht. Ich habe versucht Fotos zu machen, aber keins von ihnen wird dem echten Licht gerecht. Vielleicht kriegt man aber einen Eindruck.


Der Fokus liegt auf dem Licht, nicht auf dem etwas unordentlichen Zimmer. 

Nächste Woche werde ich in den Deutschunterricht an der Ritsumeikan University gehen, damit die Studierenden mit mir üben können. Darauf bin ich schon mal gespannt – auch darauf zu sehen wie schüchtern sie wirklich sind. Außerdem wollen wir am Wochenende zu den Universal Studios nach Osaka fahren und ein Baseballspiel angucken. Es soll vielleicht aber regnen und außerdem passen die beiden Unternehmungen von der Zeitplanung bisher nicht gut zusammen. Ich würde aber wirklich gerne das Baseballspiel sehen und zu den Universal Studios will ich nur wegen den Harry-Potter-Attraktionen. Es steht also noch nichts fest. Ich werde aber berichten.
Bleibt bis dahin (und länger) gesund!
Alles Liebe,
Jule