Wie gestern schon angekündigt werde ich mich heute noch schnell mit Dingen befassen, die mir in Japan besonders aufgefallen sind. Fangen wir an:
1. Konbinis
Ich habe Convenience Stores im vorletzten Blogpost schon einmal angesprochen gehabt. Es sind Läden, in denen man alles kaufen kann. Von A wie Ahornsirup, über D wie Drucker und O wie Onigiri (Reisdreiecke mit Füllung) bis zu Z wie Zahnpasta, findet man dort auf einer sehr überschaubaren Fläche alles was man im alltäglichen Leben so gebrauchen kann. Diese Läden findet man fast an jeder Ecke und sie haben 24 Stunden geöffnet. Am häufigsten sehe ich hier die Marken 7Eleven, FamilyMart und Lawson. Im Konbini kann man weiterhin auch Geld abheben, Rechnungen bezahlen, Konzertkarten kaufen usw. Es ist halt einfach praktisch/convenient. Praktischerweise ist ein 7Eleven zwei Minuten von unserem Wohnheim entfernt und ich glaube sie machen das Geschäft ihres Lebens mit den internationalen Studierenden. Läuft man fünf Minuten mehr findet man ein Lawson. An unserer Uni gibt es ebenfalls Convenience Stores. Im Prinzip gibt es überall welche, man sollte wohl eher anfangen zu fragen wo keine sind. Wer sich noch mehr über Konbinis informieren will, dem kann ich eine schon etwas ältere Reportage „Bin mal kurz etwas länger in Japan“ empfehlen. Alle anderen können sie bei Interesse jedoch auch gucken, da sie einfach schön gemacht ist. Es gibt mehrere Teile. Über Konbinis wird unter diesem Link ab 10:26 bis 14:37 berichtet und ein privater Konbini vorgestellt.
2. Getränkeautomaten
Ich wusste schon vor meiner Reise nach Japan, dass das Land der aufgehenden Sonne für seine „Vending Machines“/Automaten bekannt. Ich hätte allerdings nicht so viele erwartet. Ähnlich zu den Konbinis – nur extremer – gibt es an wirklich jeder Ecke Getränkeautomaten. Man kann sich soweit vom Zentrum entfernen wie man möchte und durch ein total unpopuläres Wohngebiet laufen und selbst dort findet man welche. Man kann aus einem breiten Sortiment an eisgekühlten Getränken zwischen 100 Yen (0,84 €) und 200 Yen (1,69 €) wählen. Ich hoffe im Winter wechselt das Angebot zu warmen oder zumindest keine kalten Getränke(n). Ich nehme an es gibt so viele, weil der Sommer so unglaublich heiß ist und man einfach alle zwei Sekunden einen Liter Wasser in sich reinschütten muss. Es ist wirklich praktisch, aber ich versuche sie nicht zu benutzen, sondern bei meinem Tee und meiner wiederverwendbaren Thermosflasche zu bleiben. Der Umwelt zu Liebe. (Besagte Thermosflasche habe ich übrigens umsonst bekommen und sie ist großartig. Sie hält meinen Tee bis zu 15 Stunden warm oder mindestens lauwarm!) Unten habe ich euch mal ein Foto eines sehr schönen Exemplars eines Getränkeautomaten angehangen. Sehr japanisch.

3. Mülltrennung
Viele Flaschen werden in Japan aber auch recycelt. Sie haben kein Pfandsystem und auch hier wieder eine spezielle Vorgehensweise zum Entsorgen. Der Deckel muss entfernt und in den Plastikmüll geschmissen werden. Das Etikett ebenso. Schließlich muss man die Plastikflaschen noch zerknicken und dann kann man sie erst in die Mülltüte für Plastikflaschen schmeißen. Auch sonst wird der Müll streng getrennt. Im Wohnheim haben wir einen Mülleimer für Flaschen, für sauberes Plastik, für brennbare Sachen (wie wohl dreckiges Plastik und Küchenreste) und ein Papiermüllsammelplatz. Milchpackungen oder Tetrapacks müssen übrigens erst ausgespült, dann aufgeschnitten und zum Trocknen ausgelegt werden, bevor man sie entsorgen kann. Ich weiß nicht ob diese ganze Mülltrennung aus Gründen des Umweltschutzes vorgenommen wird, denn Japan ist leider nicht grade umweltfreundlich. Alles ist fünf Mal in Plastik eingepackt. Zulasten meines kleinen Öko-Herzens. Bei jedem Einkauf wird einem eine Tüte in die Hand gedrückt – auch wenn man nur ein Deo kauft und einen großen Rucksack dabeihat. Ich versuche Ihnen immer gleich deutlich zu machen, dass ich keine Tüte will. Anfangs ist mir das allerdings nicht immer gelungen, weil ich einfach nicht damit gerechnet habe. Es ist aber auch wirklich schwer. Kaum schaut man mal kurz in sein Portemonnaie oder woanders hin – Zack! Schon ist der Einkauf in einer Tüte. Bei manchen Supermärkten muss man dafür extra noch was bezahlen. 5 Yen (0,042 Cent) ist jetzt aber nicht wirklich schmerzlich und ich glaube niemand entscheidet sich aufgrund dieses geringen Preises dagegen. Was mache ich aber nun mit den Tüten? (Wegschmeißen ist für mich keine Option, da sie noch heil und sauber sind.) Ich dachte ich kann sie einfach als Mülltüten verwenden. Es stellte sich jedoch heraus, dass das nicht geht. Man muss die vorgeschriebenen Tüten verwenden. Sieht also so aus als würde ich eine Reihe an Plastiktüten mit Nachhause nehmen und dort als Mülltüten verwenden. Ach, Japan… Übrigens ist es des Weiteren ziemlich schwer einen Mülleimer in Japan zu finden. Es gibt zwar meistens welche neben den Getränkeautomaten, aber die sind wirklich nur für die Flaschen. Ansonsten muss lange suchen, bis man welche findet. Egal ob am Bahnhof oder in einer Einkaufspassage. Trotzdem ist es sehr sauber überall, da die Japaner vorbildlich ihren Müll mit Nachhause nehmen. Ich habe mal gelesen, dass es kaum Mülleimer gibt, weil es 1995 einen Anschlag auf die U-Bahn in Tokio gab. Bei diesem Anschlag wurden Nervengifte in Mülleimern verteilt. Es gab einige Todesopfer und viele Verletzte. Daraufhin verbot man kurzerhand die Mülleimer. Dass es dennoch sauber bleibt klappt vermutlich nur in Japan.
4. Baustellen
Abgesehen von Baustellen zum Errichten oder Renovieren eines Hauses sieht man tagsüber keine Baustelle in Japan. Macht man aber einen abendlichen oder nächtlichen Spaziergang kann man doch Bauarbeiter dabei erwischen, wie sie bspw. eine Straße erneuern. Mal wieder total praktisch, dass sie das nachts machen, denn so halten sie den Verkehr nicht auf. Erst hatte ich ein wenig Mitleid mit ihnen, da sie stattdessen aber so spät arbeiten müssen. Mir ist dann aber eingefallen wie unglaublich heiß es tagsüber ist und deswegen ist nachts arbeiten eine doppelt gute Idee – auch für die Bauarbeiter. Bewacht wird die Baustelle von Menschen mit Lichtschwertern, wie sie in „Bin mal kurz etwas länger in Japan beschrieben werden. (Ja, auch darüber wird in dieser Reportage berichtet. Diesmal von 0:00 bis 7:57.) Mit diesen Lichtschwertern wedeln sie durch die Gegend, um auf die Baustelle hinzuweisen. Manchmal regeln sie damit aber auch den Verkehr. Besonders bei Ausfahrten von zum Beispiel Parkhäusern von Geschäften. Sie lassen die Autos erst raus, wenn alle Fußgänger vorbeigelaufen sind oder lassen diese eben Platz machen. Es ist fast ein bisschen wie am Flughafen.

Hochauflösende Fotos Dank meines Fairphones… 
Ein Winker
5. Handtücher
So wie man weit und breit kein Mülleimer sichten kann, sucht man genauso vergeblich nach Handtüchern in öffentlichen Toiletten. Jedes Mal geh ich mit feuchten Händen raus. Wenn man viel Glück hat, gibt es so einen elektrischen Händetrockner der Luft auspustet. Nachdem ich die Dinger benutzt habe, nehm‘ ich aber meistens noch Desinfektionsmittel, da sie sehr unhygienisch sein sollen. Anscheinend tragen alle Japaner ihr eigenes kleines Handtuch mit, weswegen diese auf öffentlichen Toiletten wohl nicht benötigt werden. Gut für die Umwelt, schlecht für die internationalen Gäste. Selbst bei den Toiletten im Wohnheim gibt es kein Handtuch o.ä. Es ist ein bisschen nervig, aber man gewöhnt sich dran.
6. Insekten
Japaner sind wohl große Fans von Insekten. Am bekanntesten sind wohl die Zikaden. Sie machen ein Geräusch was typisch ist für den japanischen Sommer. Es gibt viele verschiedene Arten und die meisten Japaner können sie wohl anhand des Geräusches, dass sie machen unterscheiden. Ich habe sie mir immer sehr klein vorgestellt. Ungefähr so groß wie einen Maikäfer oder vielleicht sogar wie eine Heuschrecke. Ich musste aber feststellen, dass sie ziemlich groß sind. Unten habt ihr ein Vergleichsfoto. Die Zikade auf dem Foto war bereit tot. Sonst hätte ich mich wohl doch zu sehr geekelt und Angst gehabt sie würde mich anfliegen. An dem Tag, wo ich das Foto gemacht habe, lagen viele tote Zikaden auf dem Boden. In der Nacht zu vor hatte es viel geregnet und es ist kühler geworden. Das war wohl der Beginn vom Ende des Sommers (und der Zikaden). Jetzt ist es schon eine Woche kühler als es den Rest des Septembers war. Um die 23°C. Vielleicht habe ich mich auch instant dran gewöhnt, aber ich höre kaum noch Zikaden. Aber auch von Anfang an ist mir das Geräusch kaum aufgefallen, da ich es aus vielen Serien kannte und es irgendwie etwas beruhigendes hat.

Abgesehen von ihren Zikaden, mögen sie aber auch andere Insekten. Man kann Kinder dabei beobachten, wie sie Insekten fangen und eine Box packen. So eine Box habe ich mal vor der Eingangstür einer Wohnungstür stehen will. Da war Mama wohl nicht so erfreut von den neuen Familienmitgliedern. Allerdings scheinen sie eigentlich eher generell ihren Ekel vor Insekten, wie ihn andere Kulturen haben, verloren zu haben.
7. Teure Haustiere
Abgesehen von Insekten gibt es aber natürlich auch richtige Haustiere. Wir haben unglaublich süße Kätzchen und Welpen in dem einen Einkaufszentrum gefunden. Ich weiß nicht ob das nur da so ist oder generell – auf jeden Fall haben die süßen Racker da mindestens 2.700 € gekostet. Ein richtiges Haustier zu besitzen scheint wohl auch ein Statussymbol zu sein. Vielleich ist es aber auch billiger sich einen Shiba-Inu zu kaufen. Das ist der Hund, der ursprünglich aus Japan kommt.
Okay, das war’s erstmal! Danke wer es bis hierhin geschafft
hat. Ich bin mal gespannt was mir noch so Kurioses begegnet.
Liebe Grüße,
Jule


