#Clickbait
Konnichiwa alle miteinander,
wir sind dem Beginn des Unterrichts wieder sieben Tage näher gekommen. Mittlerweile warte nicht nur ich sehnsüchtig auf den Semesterstart, sondern auch alle anderen. Nächsten Donnerstag ist es dann endlich soweit. Am Dienstag werden wir aber noch eine Notfallübung und eine (ziemlich spät gelegte) Willkommensfeier im Wohnheim haben. Ansonsten vertreiben sich viele die Zeit mit Sightseeing, Trinken und Feiern. Mein Sightseeing-Programm werde ich im Folgenden kurz schildern:
Am Montag habe ich allein nur einen kurzen Ausflug zu einem „versteckten Kanal“ gemacht. Seit ich von dem Fluss Cheonggyecheon in Seoul/Südkorea gehört habe, der jahrelang unter einer Straße versteckt wurde, aber nun wieder offen liegt, wollte ich schon immer dahin. Da ich mich aber nicht in Seoul befinde, sondern in Kyōto, nahm ich das Nächstbeste. Es war nichts Spektakuläres, aber ich fand es da trotzdem toll.

Auf dem weg zum versteckten Kanal 
Der versteckte Kanal 01 
Der versteckte Kanal 02 
Der versteckte Kanal 03
In der Nähe waren dann auch noch zwei Schreine, die ich mir angeguckt habe. Während der erste Schrein sehr voll war, war der zweite Schrein relativ leer. Nur ein paar Mönche spielten dort Fußball. Außerdem waren ein paar Sportbälle ausgelegt. Nach einer kurzen Google-Recherche, fand ich heraus, dass man dort besonders einen Gott für Fußball (oder auch generell für Sport) verehrt. Also genau mein Schrein! (Sarkasmus) Bevor ich das wusste, bin ich aber trotzdem einmal den typischen Ablauf eins Shinto-Schreinbesuchs durchlaufen.

Schrein 01 
In Schrein 02 
In Schrein 02 
Schrein 02 
Schrein 02
Das funktioniert im Allgemeinen so (Kurzfassung): Wenn man den Schrein betreten hat, findet man am Eingang oft eine Art kleinen Brunnen mit mehreren Kellen.
Hier reinigt man sich symbolisch, bevor man den Göttern entgegentritt. Das wird in einer bestimmten Reihenfolge gemacht. Zunächst nimmt man eine Kelle in die rechte Hand und füllt sie mit Wasser. Dann treufelt man etwas von dem Wasser in die Linke und nimmt danach mit dieser die Kelle. Jetzt treufelt man etwas Wasser über die rechte Hand und nimmt anschließend die Kelle wieder auf diese Seite. Man füllt nun die linke Hand erneut mit Wasser und spült sich diesem den Mund aus. Da die linke Hand nun wieder dreckig ist, wäscht man sie erneut und schüttet dann das restliche Wasser in der Kelle über die Kelle selbst. Fertig. Jetzt kann man beten gehen. Dazu geht man zum Hauptschrein, vor dem meist eine Holz- oder Metallkiste steht. Darüber ist oft eine Glocke befestigt. Alternativ zur Glocke gibt es auch metallene „Schüttelkisten“.
In die Kiste wirft man eine Opfergabe von 5 Yen. Dann leutet man die Glocke oder schüttelt die Schüttelkiste. Dadurch, dass man Krach macht, zieht man die Aufmerksamkeit des Gottes auf sich. Es ist also quasi so als würde man anrufen und oben klingelt das Telefon. Hat man das gemacht, verbeugt man sich zweimal, klatscht zweimal und trägt dann still sein Anliegen vor. Schließlich verbeugt man sich noch einmal, denn alle guten Dinge sind ja bekanntlich drei.
Damit ist der wichtigste Teil geschafft. Die Japaner machen aus ihrer Religion aber ein einziges Geschäft und so kann man sich für ein paar Taler, auf Holztäfelchen seinen Wunsch schreiben, einen Glücksbringer kaufen oder sich die Zukunft voraussagen lassen. Wieviel das noch mit Religion zu tun hat, weiß ich nicht genau.

Auf dem Rückweg habe ich mich mal wieder sehr… 
…am Licht erfreut.
Am darauffolgenden Tag, bin ich mit der mittlerweile üblichen Gruppe nach Arashiyama gefahren. Dort findet man den sehr bekannten Bambuswald. Sehr viel mehr gibt es dazu eigentlich auch nicht zu sagen. Cool war, dass es nichts gekostet hat. Allerdings war es natürlich auch sehr touristisch und somit waren viele Leute dort.
Am Mittwoch fuhr die gleiche Gruppe nach Nara – die Stadt, die ich unbedingt sehen wollte. Was ist so besonders an Nara? Überall sind „wilde“ Rehe! So wild dann aber auch wieder nicht, denn man kann sie eigentlich problemlos streicheln und ihnen nahekommen. Für 150 Yen (~ 1,27 €) kann man an mehreren Stellen Rehkekse kaufen. Ich Idiot habe das gleich an der erstbesten Stelle gemacht. Alle Rehe kamen auf einmal auf mich zugerannt als ich die Kekse in der Hand hielt. Ich würde nicht behaupten, dass ich in Panik ausgebrochen bin, aber es ist schon was anderes gewesen, als wenn man Schafe im Streichezoo füttert. Ich war froh als die Kekse alle waren. Wenn man sich in der Nähe von diesen Keksständen war, erschien das den Rehen jedoch dennoch stark verdächtig. So kam es, dass mich ein Reh in den Hintern gezwickt hat, weil es vermutlich dachte, mein Handy sei etwas Essbares. Ab und an wurde auch mal kurz an meinem T-Shirt geknabbert.


Meradith beim Rehe-Füttern
Den restlichen Tag sind wir hauptsächlich durch den Park gelaufen und haben versucht eins der ca. 1200 Rehe dazu zu kriegen sich vor uns zu verbeugen. Das ist nämlich ein netter Trick den sie gelernt haben: Theoretisch verbeugen sie sich, wenn man sich vor ihnen verbeugt, um Futter zu bekommen. Praktisch haben wir sehr lange gebraucht um Rehe zu finden, die Lust dazu hatten und nicht überfressen waren. Man muss aber auch sagen, wir haben nach unserer Rehkeks-Nahtoderfahrung auch keine Belohnung mehr für sie gehabt. Vielleicht hatten sie deswegen keine Lust. Letztendlich haben wir es dann aber doch geschafft – auch ohne Kekse.



Abkühlung muss sein. Hätte mich am liebsten auch mit dazu gelegt. 
Nach vielen missglückten Selfie-Versuchen… 
…war dann ein Reh doch ganz zahm. 😉 

Geht es hier zur U-Bahn?
Danach haben wir uns noch den Tōdai-ji angeguckt. Das ist ein sehr großer buddhistischer Tempel mit Riesen-Buddhas. Das eigentliche Highlight wartete aber danach auf uns: Eine Gruppe von Grundschulschülern wurde gezwungen Ausländer in Zweiergruppen anzusprechen. Sie stellten uns Fragen wie „Wie heißt Du?“, „Wo kommst Du her?“, „Was ist Dein liebstes japanisches Essen?“ und beworben die Stadt aus der sie kamen. Währenddessen machten die Lehrer stolz Fotos. Am Ende sollten wir ihr Blatt, von dem sie abgelesen haben unterschreiben (Ich hoffe ich bin jetzt nicht Mitglied bei Scientology). Als Belohnung bekamen wir Kekse, einen Flyer zu ihrer Heimatstadt und Taschentücher mit selbstgemachten Schildern, auf denen der Name der Fragesteller stand. Ich glaube sie haben kaum eine unserer Antworten verstanden – auch nicht als ich sie gebeten habe, die Frage zu wiederholen. Das hat sie sehr aus der Bahn geworfen. Schließlich haben wir es aber doch geschafft und ich hab‘ sie gefragt, ob sie noch ein Selfie mit mir machen will. Ich wollte die Erinnerung festhalten (und ein Foto mit einem japanischen Kind haben):

Tōdai-ji 
Zwei von den Buddha-Statuen 
Foto nach der Fragerunde 
Und weil’s so schön war… 
Da steht „Willkommen im Nara Park“
Am Donnerstag hatten wir dann die medizinsche Untersuchung an der Uni. Der Ablauf war sehr organisert. Man musste mehrere Stationen durchlaufen. Dabei wurde Körpergröße und Gewicht gemessen, ein Ultraschallbild gemacht (um uns auf Tuberkulose zu testen), Blutdruck gemessen, Urinproben abgegeben und und und… Irgendwie hat es Spaß gemacht, aber die Japaner nehmen es auch ein bisschen zu genau.
Da der Blogeintrag schon wieder so lang ist, komme ich schon wieder nicht zu dem ganzen anderen Zeug von dem ich berichten wollte. Deswegen habe ich entschieden, dem einfach mal zwischendurch einen Blogeintrag zu widmen. Vielleicht kommt er sogar schon morgen. Mal sehen.
Lasst es euch bis dahin gut gehen,
Jule










