Fünf Jahre nachdem ich nach China geflogen bin, mache ich mich nun für ein Auslandssemester erneut auf den Weg nach Asien. Diesmal gehe ich nach Japan. Was habe ich seit 2015 gemacht und wie ist bisher der Plan für den Aufenthalt in Japan?
Hallo liebe Blocklesende-Person,
(Punkt 1, was ich seit 2015 gelernt habe: Gendern)
schön, dass Du da bist! Vielleicht hast Du mich bereits bei meiner Reise nach China 2014 begleitet, indem Du meinen damaligen Blog gelesen hast. In dem Fall: Schön, dass Du wieder mit dabei bist und Dich weiterhin dafür interessierst, was ich zu berichten habe. Vielleicht bist Du auch neu dabei. Dann: Danke, dass Du Dich dazu entschieden hast, diese Zeilen zu lesen und Willkommen! Ich freue mich über alle die mitlesen.
Damit wir alle auf demselben Stand sind was nach China geschah, was ich eigentlich mache und wer ich bin, dachte ich, ich gebe hier mal eine kurze Zusammenfassung über mein Leben zwischen 2015 und 2019 an. Falls Du das alles schon weißt, kannst Du die folgenden zwei Absätze gerne überspringen!
Nachdem ich aus China zurückgekommen war, herrschte bei mir zunächst eine große Ungewissenheit. „Und jetzt?“ Fest stand nur, dass ich studieren wollte. Was, wann und wo eher nicht. Da die Einschreibung aber in der Regel nur zum Wintersemester stattfindet, musste ich noch ein dreiviertel Jahr warten. In dieser Zeit ärgerte ich mich mit dem Arbeitsamt herum, machte sogar zwei Praktikas in den damaligen Bibliotheken meiner Mutter und schrieb schließlich auch Uni-Bewerbungen (darunter auch eine für Japanologie, deren Zulassung ich dann aber nicht annahm). Gleichzeitig schaute ich mich schon mal nach Wohnungen um und fand schließlich ein WG-Zimmer in Berlin, indem ich bis heute sehr gerne wohne. Ich war schockiert als ich dann – letztendlich nur durch ein Missverständnis, einen Formfehler – nicht mein gewünschtes Studium erhielt. Panisch schrieb ich mich also bei einem NC-freien Fach ein, von dem ich mir zumindest einen großen Nutzen für die Zukunft versprach: Informatik. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so lange dieses Fach studieren würde, denn die Idee war von Anfang an, das nur übergangsweise zu studieren. Ich fand jedoch gute Freunde und letztendlich hielt ich es drei (um genau zu sein sogar vier) Semester sehr gut aus, mehrmals die Woche eine Stunde nach Adlershof zu fahren – und auch eine Stunde wieder zurück. Irgendwann entschied ich mich dann aber doch für einen Wechsel. Ich fand ein Studienfach bei dem ich mir alle bisher gesammelten Studienpunkte ohne Probleme anrechnen lassen konnte und das gut zu meinem Familienhintergrund passte. Der ziemlich lange Name dieses Studienfachs ist: Informationsmanagement & Informationstechnologie (INFOMIT). Dieses Fach bestand in meinem Fall aus zwei Dritteln Informatik und einem Drittel Bibliothekswissenschaft.
Mit der Bibliothek setzte ich mich dann auch noch in einem Praktikum auseinander, durch dass ich Erfahrungen sammelte, mit dem ich mir einen Job an einer Bibliothek der TU Berlin ergattern konnte. Durch die Aufnahme dieser Tätigkeit kann ich nun den Auslandsaufenthalt finanzieren. Als studentische Hilfskraft habe ich dort seit Januar 2018 sehr viel Verantwortung und Spielraum gehabt, wofür ich sehr dankbar bin. Nun musste ich jedoch leider kündigen. Eines der letzten großen Projekte, an dem ich mitgewirkt habe, war der Instagram Takeover, der auf dem Instagram-Account der TU immer noch in den Stories nachverfolgt werden kann (Schleichwerbung). Gerade laufen die Vorbereitungen für eine Anstellung an meinem Institut auf Hochtouren. Die Hoffnung ist, dass alles schnell über die Bühne geht, so dass ich vor Japan den Vertrag unterschreiben und in Japan quasi Homeoffice machen kann. Mein Institut ist das Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft – kurz IBI. An diesem habe ich im Dezember 2018 meinen Bachelorabschluss erhalten und ich studiere dort seit Oktober 2019 weiterhin im Master. Mein Masterstudiengang heißt Information Science. In der Regel weiß niemand wirklich etwas damit anzufangen. Wie der Name schon sagt, geht es bei uns um die Forschung um Information. Dabei gibt es verschiedene Ausrichtungen. Ein gutes Beispiel ist vielleicht meine Bachelorarbeit mit dem Titel ‚Rechercheverhalten von Geflüchteten – Eine Videoanalyse‘. Kernpunkt war die Suche nach verschiedenen berufs- und berwerbungsbezogenen Problemen von sieben männlichen Geflüchteten im Internet zu analysieren. Diese Arbeit hat mir vieles ermöglicht und ich bin meinen Betreuerinnen für die Möglichkeit, diese Arbeit schreiben zu dürfen und auch noch für einige andere Sachen sehr dankbar. Generell bin ich sehr zufrieden mit meinem Studiengang. Das Jahr 2019 war für mich karrieretechnisch auch jetzt schon ein sehr erfolgreiches Jahr. Es war allerdings auch schon sehr gefüllt von Stress und ich hoffe, dass Japan das Jahr positiv enden lässt.
Warum aber ein Auslandssemester in Japan?
Wer mich schon länger kennt, der weiß, dass es als Teenager immer mein Traum war nach Japan zu gehen. Stattdessen ist es nach der Schule dann China geworden, in dass ich mich dann stattdessen verliebt habe. Um ehrlich zu sein, glaube ich, dass mir China im Endeffekt auch besser gefallen wird als Japan. Für den Aufenthalt an einer chinesischen (und koreanischen sowie kanadischen) Uni hatte ich mich ebenfalls beworben. Letztendlich war für die asiatischen Länder jedoch Japan mein Erstwunsch, denn man muss ja auch mal etwas Neues sehen und schließlich erfülle ich mir dadurch einen Kindheitstraum. Nicht zu verachten sind natürlich auch sämtliche Vorteile eines Auslandssemesters, von dem ich mir verspeche, dass ich mich selbst erneut weiterentwickle und dass es natürlich auch auch gut auf dem Lebenslauf aussieht.
Wo genau geht es hin und wie ist der Plan?
Ich werde für ein Semester an der Ritsumeikan University in Kyōto eingeschrieben sein. Ich habe mit Absicht nicht Tokio gewählt, da meine Vermutung war, dass sich für Unis dort mehr Leute bewerben würden und irgendwie war mir das auch zu „mainstream“. Ich denke, dass jede Person, die mal Kyōto googlet mit mir übereinstimmen wird, dass Kyōto zumindest keine schlechte Wahl ist: Eine wunderschöne Altstadt und umgeben von Bergen. Es muss wirklich eine tolle Stadt sein und ich bin gespannt.
Da mein Studiengang nicht zu den typischen Studienfächern gehört, ist dieser auch nicht an der Ritsumeikan vertreten. Stattdessen werde ich dort den ‚Intensive Japanese Language Track‘ mitmachen. Also hauptsächlich einen Japanisch-Sprachkurs. Da macht es auch nichts, dass ich quasi sämtliche Wörter, Floskeln und Zeichen, die ich mal konnte, wieder vergessen habe. Also richtig gelesen: Nein, wie auch damals in China, spreche ich nicht die Landessprache. Ich bin aber überzeugt, dass das kein großes Problem sein wird.
Wenn ich will und mir noch einen Platz bei der Orientierungswoche erkämpfe, kann ich neben dem Sprachkurs noch normale Uni-Kurse auf Englisch besuchen (und somit Studienpunkte für meinen überfachlichen Bereich sammeln). Aber das entscheide ich dann spontan vor Ort. Ich glaube, ich werde auch so genug ausgelastet sein.
Die erwähnte Orientierung beginnt am 10. September, der Unterricht am 26. September. Während der Orientierung muss man sich einem medizinischem Check-Up unterziehen. Dieser beinhaltet wohl die Messung meiner Körpergröße und meines Gewichts, eine Röntgenaufnahme, einen Blutdruck-Test und eine Urinprobe. Die Uni behält sich vor weitere Test zu machen, je nach gesundheitlichem Zustand.
…
Da verstehen die Japaner anscheinend keinen Spaß. Naja, vielleicht finden sie ja was, was mein Arzt noch nicht feststellen konnte.
Seit einigen Tagen weiß ich nun auch, wo ich wohnen werde: In einem Wohnheim für internationale Studierende, dass Taishogun heißt. Auf YouTube hat Gott sei Dank jemand eine Videotour durch das Wohnheim gemacht. Obwohl ich es mir bei der Bewerbung für das Wohnheim schon einmal angesehen habe – als ich den Platz zugewiesen bekommen habe und dieses Video noch einmal schaute, wurde ich zum ersten Mal richtig aufgeregt. Ich finde das Wohnheim total schön und ich bin gespannt darauf mein Zimmer zu bekommen. Jetzt fehlt nur noch der Flug, den ich in den nächsten Tagen buchen werde, sowie ein Brief von der japanischen Uni. Den brauche ich um das Visum zu beantragen. Danach kann es auch schon losgehen!
Okay, nicht wirklich. Zuvor muss ich noch ein paar Sachen erledigen, zum Beispiel mehrere Hausarbeiten schreiben. Daraus besteht gerade auch so ziemlich mein Alltag, denn ich möchte sie fertig kriegen bevor ich nach Japan fliege. Wünscht mir also viel Erfolg. Ich werde ein Update geben sobald etwas Spannendes passiert ist. Das wird sich wahrscheinlich hinziehen bis September. Habt also Geduld.
Bis dahin! Noch einmal Danke fürs Lesen und bis zum nächsten Mal.
Liebe Grüße,
Jule
P. S.: Eigentlich habe ich mir vorgenommen, mich diesmal kürzer zu fassen, aber ich scheitere schon am ersten Post. Vergebt mir! (Auch dafür, dass ich immer noch keine Kommasetzung kann.)
Danke für den Blog,danke für das Geschriebene und für deinen Mut und ich halte dir alle, alle Daumen! Das Video vom Wohnheim hat mich umgehauen, wirklich ! Der Blog-Name gefäält mir auch. Und: tröste dich, nur vor der Rechtschreibreform wurde das Komma überbewertet.
LikeLike